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24.10.2015 - Passauer Neue Presse

Finanzamt Bad Griesbach bleibt in Frauenhand

Bad Griesbach. Kurz atmet sie durch auf der Schlossbank in der Sonne. "Ja", sagt Waltraud Mühldorfer, in diesem Moment doch erstaunt über sich selbst, "das ist jetzt schon eine außerordentliche Karriere, die ich da hinter mir habe." Die heute 56-Jährige hat als Lehrling beim Finanzamt Augsburg-Land angefangen, hat sich im Laufe der Jahrzehnte und vielen Stationen hochgearbeitet zur Oberregierungsrätin. Nun ist sie die neue Chefin der Außenstelle des Finanzamts Passau in Bad Griesbach. "Ich freue mich auf meine neue Aufgabe", sagt sie. "Aber ein kleines bisschen Muffensausen hab ich schon."

Den neuen Blick aus dem Büro liebt sie sehr

Denn hier muss sie sich in viele Gebiete neu einarbeiten. "Davor habe ich Respekt", gibt sie zu und baut auf den Rückhalt eines super Teams. 54 Frauen und Männer arbeiten im Schloss in Bad Griesbach, in einem wunderbaren Ambiente, das Freude und Aufgabe zugleich ist. "Ich bin neugierig darauf, da jetzt auch der Natur- und Denkmalschutz zu meinen Aufgaben gehören", sagt Waltraud Mühldorfer. Ihr Büro mit dem "wunderbaren Blick ins Grüne" hat sie jedenfalls nach ein paar Tagen lieb gewonnen.

Ihre Instrumente – Quer-, Alt- und Sopranflöte – schleppt sie zwar seit 40 Jahren mit sich rum, aber zum Spielen kommt Waltraud Mühldorfer nicht mehr. Trotzdem wendet sie sich in den Worten eines Dirigenten an ihr neues Team: "Wer ein Orchester leiten will, der muss andere spielen lassen. Bitte – spielen Sie!", sagt sie. Gerade die neuen Aufgabengebiete – Vollstreckung und Bewertungsstelle – sind Neuland für sie. Auf Mitarbeiter, die wissen, was sie tun, muss sie daher notgedrungen bauen können. Das Amt in Bad Griesbach mag um ein Vielfaches kleiner sein als ihre letzte Station in Augsburg. "Doch hier muss einer im Prinzip alles können", sagt sie. Noch dazu, seit die Sachgebietsleiter von vier auf drei gekürzt worden sind.

"Dass ich jetzt hier bin, das habe ich einer ganzen Reihe von Zufällen zu verdanken", erzählt sie bei ihrer ruhigen, besonnenen Antrittsrede. Ihr Hobby, beziehungsweise das ihres Lebensgefährten, hat sie immer wieder nach Niederbayern geführt: das Golfen. "Zwei Jahre lang bin ich als Caddy für meinen Schatz mitgelaufen. Dann wollte ich mal selbst wissen, wie es geht." Und jetzt steckt sie seit sechs Jahren selbst mittendrin im Golffieber. Der Zufall will es, dass sie ihr Traumhaus finden – plötzlich und unerwartet steht es auf einmal vor ihnen. "Zwar auf der österreichischen Seite, aber trotzdem nahe", sagt sie. Erst am vorletzten Tag der Bewerbungsfrist für den ausgeschriebenen Chefposten am Finanzamt Bad Griesbach schickt sie ihre Unterlagen los. Das Traumhaus wird ihres, sie renovieren, ziehen um. "Nun bin ich da. Und ich bin gekommen, um zu bleiben", verspricht sie ihren Mitarbeitern.

Das dürfte schon Mal Bonuspunkte gebracht haben. Denn die Stelle ist seit Monaten unbesetzt. Manfred Kretschmer ist zum 1. Mai in Pension gegangen. Er hatte den Posten ohnehin nur kommissarisch inne, genauso wie die letzten Wochen Regierungsdirektorin Andrea Diezmann. Die Powerfrau führt derzeit auch an der Behörde in der Dreiflüssestadt die Amtsgeschäfte. Zwölf Jahre hat Manfred Ziga das Finanzamt Passau, das zu den größten in ganz Bayern gehört, geleitet. Bis sein Nachfolger bestimmt ist, ist Andrea Diezmann seine ständige Vertreterin. Doch Bad Griesbach ist für sie kein Neuland. Sie hat das Amt gut zwei Jahre lang geleitet. Nach ihr, im November 2010, ist Anita Memel-Thanhäuser in ihre Fußstapfen getreten. Dann ist die Stelle über ein Jahr lang vakant – bis kurz ein Mann, Manfred Kretschmer – die Stelle kommissarisch übernimmt.

1976 tritt die heute 56-Jährige in den Staatsdienst ein. 1988 wechselt sie in den gehobenen Dienst, 1992 macht sie ihren Diplom-Finanzwirt (FH). Ihr Arbeitgeber ist die Oberfinanzdirektion München. Als Betriebsprüferin leistet sie Aufbauarbeit in Sachsen. Von 2001 bis 2004 arbeitet sie bei der Fiskus GmbH mit, die Firma versucht eine bundeseinheitliche Software für die Finanzverwaltungen zu entwickeln. "Bis auf Nordrhein-Westfalen arbeiten inzwischen alle Bundesländer mit einem einheitlichen Programm, dessen Benutzeroberfläche zu einem großen Teil einer bayerischen Software entstammt", erklärt sie. Danach wechselt sie zurück an die Oberfinanzdirektion München, 2010 wird sie Sachgebietsleiterin am Finanzamt Augsburg-Land, 2012 Oberregierungsrätin.

Frauenpower an den Außenstellen

"Ich würde mich freuen, wenn ich sie bald auf eine Tasse Kaffee begrüßen dürfte", heißt sie Bad Griesbachs Bürgermeister Jürgen Fundke herzlich willkommen. "In einem solchen Ambiente hier im Schloss muss man sich ja wohl fühlen."

Und der Personalratsvorsitzende Reinhard Wallner freut sich, dass seine Behörde der Politik in Sachen Gleichstellung schon weit voraus ist. "Wenn ich an unsere Außenstellen denke, fällt mir nur ein Wort ein: Frauenpower!" Selbst die Quote ist in Bad Griesbach beachtlich: "Mit 66,66 Prozent überwiegt der Frauenanteil", rechnet Michael Veit, Geschäftsstellenleiter am Finanzamt Passau, freundlicherweise aus: Von 54 Angestellten sind 36 Frauen. "Viele schätzen natürlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagt Veit.

Mit Letzterem hat sich Waltraud Mühldorfer allerdings nie herumquälen müssen, räumt sie ein, draußen, beim kurzen Durchatmen auf der Schlossbank. Vor allem während ihrer Arbeit bei der Fiskus GmbH ist sie ständig in der ganzen Bundesrepublik herumgereist. Eine Familie zu gründen – dafür fehlte schlichtweg die Zeit.

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