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Baustart für Großprojekt 2024 realistisch
Quelle: Fränkische Landeszeitung vom 24.09.2021

65 Millionen-Euro-Projekt abgeschlossen
Quelle: Fränkische Landeszeitung vom 29.07.2021

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24.11.2006 (Bericht der FLZ)

Den Steuerzahler als Kunden sehen

Die auf einen Bierdeckel passende Steuererklärung wird unrealistisch bleiben

ANSBACH – Eine Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt, wird es nicht geben können. Davon ist der Leiter der Landesfinanzschule in Ansbach, Leitender Regierungsdirektor Herbert Bürner, überzeugt. Das Steuersystem werde wohl auf Dauer komplexer sein, sagte Bürner gestern im FLZ-Interview. Das bayernweit einzige Aus- und Fortbildungszentrum dieser Art für Finanzbeamte bringt nach Bürners Berechnungen der Region Ansbach durch die Übernachtungsgäste rund eine Million Euro an Wertschöpfung. Morgen wird der Prüfungsjahrgang 2006 verabschiedet. Im Vorfeld der Feier, bei der Finanz-Staatssekretär Franz Meyer die Festrede halten wird, sprach Bürner im FLZ-Interview unter anderem über die Probleme der Finanzämter, dem Gesetzgebungstempo folgen zu können, und über das immer wichtiger werdende „kundenorientierte Verhalten“ von Behörden.

Die Landesfinanzschule in Ansbach steht wenig in der Öffentlichkeit, selbst in Ansbach ist kaum bekannt, was Sie hier tun.

Bürner: In Ansbach steht die einzige Landesfinanzschule im gesamten Freistaat. Hier wird der gesamte mittlere Dienst ausgebildet, sprich der Nachwuchs für die Finanzämter in Bayern. Und wir bilden bereits ausgebildete Finanzbeamte weiter.

Mit welchem personellen Aufwand?

Bürner: Wir beschäftigten rund 50 Leute, darunter 14 hauptamtliche Dozenten. Den größten Anteil bildet die Verwaltung. Aber wir verbuchen pro Jahr rund 60 000 Übernachtungen, die in die Ansbacher Fremdenverkehrsstatistik einfließen. Wir bieten zwei Gästehäuser mit 342 Betten an. Ausgehend von rund 20 Euro, die generell als Wertschöpfung in einer Region pro Übernachtung angenommen werden, profitiert der Raum Ansbach durch unsere Schule jährlich in Höhe von einer Million Euro. Weil die Leute einkaufen oder in Gaststätten gehen, weil sie den Friseur aufsuchen oder tanken.

Herbert Bürner

Das Interview

Morgen wird der Prüfungsjahrgang 2006 verabschiedet. Spüren Sie die Sparmaßnahmen des Freistaates? Sprich: ist noch so viel Nachwuchs wie früher gefragt?

Bürner: Die Zahl der Abgänger hat in den vergangenen Jahren tatsächlich sehr geschwankt. Noch im Vorjahr hatten wir einen sehr großen Jahrgang mit über 250 Prüflingen, die hier die zweijährige Ausbildung des mittleren Dienstes der Steuer- oder Staatsfinanzverwaltung absolviert haben. Dann kam wieder einmal der Bruch als Folge der Einstellungspolitik im Freistaat.

Mit welchen Auswirkungen?

Bürner: Der Einstellungsjahrgang 2004 bestand nur noch aus 57 Anwärtern. Es ging also kräftig in den Keller. Diese Mini-Jahrgänge haben sich fortgesetzt. Dies wiederum wirkt sich bei uns natürlich aus. Plötzlich haben wir angemietete Unterbringungsmöglichkeiten in Dinkelsbühl nicht mehr gebraucht. Betroffen waren auch Hotels dort, die wir für die Unterbringung genutzt hatten.

Wie gleichen Sie im eigenen Haus in Ansbach die geringere Schülerzahl aus?

Bürner: Wir nutzen unsere Kapazitäten wieder mehr für die Fortbildung aller bayerischen Finanzbeamten. Wir wissen aber, dass es künftig wieder einen höheren Bedarf an neuen Finanzbeamten geben wird. Dies bedeutet: Unsere Schülerzahlen werden wieder steigen. Die Schule ist nicht in Gefahr.

Gehört zur Fortbildung auch, den Finanzbeamten den Dienstleistungsgedanken gegenüber der Bevölkerung zu vermitteln?

Bürner: Das ist ein sehr wichtiges Thema. Wir veranstalten Seminare, in denen es um soziale Verhaltensweisen geht. Diese Fortbildung ist mit Blick auf die sehr notwendige Kundenorientierung nicht hoch genug einzuschätzen. Jedes Finanzamt hat eine Servicestelle. Wir müssen die jungen Beamten sensibilisieren und trainieren, was den Umgang mit dem Steuerbürger angeht. Gott sei Dank ist die Bedeutung dieser sozialen Kompetenz im öffentlichen Dienst erkannt worden.

Der Steuerzahler ist also aus Sicht der Finanzämter tatsächlich Kunde?

Bürner: Eindeutig ja. Befragungen unter den Steuerzahlern haben gezeigt, dass wir zum Teil hervorragende Noten erhalten haben.

Die Politiker legen bei der Steuergesetzgebung immer häufiger ein atemberaubendes Tempo vor. Kommen die Finanzämter noch nach – und sind sie zum Teil hoch spezialisierten Steuerberatern noch gewachsen?

Bürner: Das Tempo des Gesetzgebers immer mitzuhalten, ist sicherlich die schwierigste Aufgabe der Finanzverwaltung schlechthin. Es ist auch nicht auszuschließen, dass wir den Steuerberatern zuweilen unterlegen sind, auch aufgrund bestimmter Drähte, die zwischen Steuerberatern und Gesetzgeber bestehen. Es mag auch sein, dass die manches Mal schneller und besser informiert sind als wir. Aber auch bei uns ist der Informationsfluss in den letzten Jahren erheblich optimiert worden. Inzwischen haben wir aufgeholt.

Wird es doch noch dazu kommen, dass eine Steuererklärung auf einen Bierdeckel passt?

Bürner: Eine völlige Vereinfachung des Steuerrechts halte ich nicht für realistisch. Eine komplexe gesellschaftliche und wirtschaftliche Ordnung bedingt auch eine Komplexität des Rechtswesens und des Steuerrechtswesens. Die Bierdeckel-Vorstellung, wie sie im politischen Bereich vor einiger Zeit diskutiert wurde, wird nicht machbar sein. Wenn ich die Regularien erheblich abbaue, dann habe ich nur noch Generalklauseln, die wieder schnell nach Auslegungen schreien.

Interview: Dieter Reinhardt

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